Psychische Erkrankungen

Es existieren vielfältige psychische Probleme, die sich ganz unterschiedlich manifestieren können. Dabei werden psychische Erkrankungen als Störung von Erleben und Verhalten betrachtet. Im folgenden werden die wichtigsten Gruppen von psychischen Störungen in Anlehnung an die international anerkannten Klassifikationssysteme ICD-10 (World Health Organization 1991) und DSM-IV (American Psychiatric Association 1994) überblicksartig aufgeführt.

Schizophrenien

Eine der bekanntesten Störungsgruppen ist die der Schizophrenien. Diese Störungen verkörpern das, was im Volksmund gewöhnlich als „Wahnsinn“ bezeichnet wird. Sie sind u. a. gekennzeichnet durch Denkstörungen wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Realitätsverlust. Ein gelegentliches Auftreten dieser beispielhaft genannten Symptome muss jedoch bei weitem noch kein Anzeichen für das Vorliegen einer Schizophrenie sein. Da es viele verschiedene Subtypen dieser Störung gibt, erfordert eine zuverlässige Diagnosestellung viel Sorgfalt und Erfahrung.

Angststörungen

Seit den 90er Jahren traten Angststörungen immer stärker ins öffentliche Bewusstsein. Häufige Subtypen dieser Störungsgruppe sind beispielsweise Ängste vor Höhen (Höhenphobie), öffentlichen Orten und Menschenansammlungen (Agoraphobie), sozialer Bewertung (Sozialphobie) oder vor plötzlich auftretenden bedrohlichen Körpersymptomen wie beispielsweise Herzrasen (Paniksyndrom). Mittlerweile weiß man aus epidemiologischen Studien, die die Auftretenshäufigkeit von Störungen und Erkrankungen in der Allgemeinbevölkerung untersuchen, dass ca. 10 Prozent von Angststörungen betroffen sind. Darüberhinaus existiert ein fließender Übergang zwischen normalen realitätsangemessenen Ängsten und irrationalen Ängsten, die die Betroffenen stark in ihrem Leben beeinträchtigen. Relativ eng verwandt mit Angststörungen sind die Zwangsstörungen (z. B. Waschzwang) und die Belastungsstörungen, die das weite Feld der psychischen Folgen extremer Traumatisierung umfassen.

Affektive Störungen

Beeinträchtigungen der Stimmungslage in die eine (Depression) oder andere Richtung (Manie), werden seit einigen Jahren ebenfalls verstärkt von der Öffentlichkeit wahrgenommen. So startete die Stadt Nürnberg im Hagre 2001 eine umfassende Aufklärungskampagne über Behandlungsmöglichkeiten für Depressionen, was bislang in Deutschland einmalig ist. Wie bei den meisten psychischen Störungen sind leichtere Formen von Depression oder Manie, beispielsweise traurige Verstimmtheit oder erregte Euphorie, jedem von uns bekannt. Sie sind auch durchaus normal, solange sie eine gewisse Zeitdauer nicht überschreiten und der Situation im weitesten Sinne angemessen erscheinen. Problematisch wird es erst, wenn die affektive Störung die Betroffenen in ihrer persönlichen Lebensführung deutlich beeinträchtigt oder behindert.

Essstörungen

Ein weiterer wichtiger Störungsbereich sind die Essstörungen. Über die zwei Haupttypen, Anorexie (Magersucht) und Bulimie (Eß-Brech-Sucht) wird regelmäßig in diversen Frauenmagazinen berichtet. Spätestens seit die Eßstörungen von Models, Schauspielerinnen und Prinzessinnen öffentlich gemacht wurden, sind diese Störungen allgemein ein Begriff, und die meisten Menschen haben eine gewisse Vorstellung davon. Entgegen der gängigen Annahme, daß nur Frauen davon betroffen seien, zeigen sich Eßstörungen zunehmend auch bei jungen Männern. Zeitversetzt lässt sich hier beobachten, wie nun auch bei den Männern ein immer unrealistischeres Schönheitsideal verheerende Folgen nach sich zieht.

Hypochondrie

Seit dem Erscheinen von Moliere’s eingebildetem Kranken ist die Hypochondrie ein Begriff. Gekennzeichnet durch exzessive Angst vor schlimmen Krankheiten und fortlaufenden Versuchen, diese Angst durch Untersuchungen zu besiegen, treibt es die Betroffenen oft jahrelang von Arzt zu Arzt. Oft ernten sie dabei viel Unverständnis, da ja medizinisch alles in Ordnung zu sein scheint. Nah verwandt mit diesem Störungsbild ist die sogenannte Somatisierungsstörung. Hier reagieren die Betroffenen auf Belastungen und Konflikte mit breitgestreuten körperlichen Symptomen, die zunächst auf eine somatische Erkrankung hindeuten, die sich jedoch in Untersuchungen nicht bestätigen lässt. So sind auch diese Patienten ständig auf der Suche nach einer Möglichkeit, die real vorhandenen Beschwerden (z. B. Schmerzen) zu lindern.

Substanzabhängigkeit

Der Gebrauch von Genussmitteln oder Medikamenten ist in unserer Gesellschaft ein alltägliches Phänomen, das toleriert und akzeptiert wird. Leider ist die Grenze zum Missbrauch bzw. zur Abhängigkeit fließend und wird oft unbemerkt überschritten. Die Probleme werden in der Regel erst dann sichtbar, wenn sie sich als Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit manifestiert haben. Dabei sind Alkohol und Medikamente, wie Beruhigungs- oder Schlafmittel, die besonders gefährlichen Einstiegsdrogen in eine Suchtkarriere. Dies wird oft übersehen, da diese Drogen legal und frei zugänglich sind.

Sexuelle Funktionsstörungen

Der Störungsbereich mit der vermutlich höchsten Dunkelziffer sind die sexuellen Funktionsstörungen. Dies sind Störungen der sexuellen Funktionen, die keine medizinische Ursache haben. Dazu gehören der vorzeitige Samenerguss (Ejaculatio praecox) und Erektionsprobleme (erektile Dysfunktion) bei Männern oder der sog. Scheidenkrampf (Vaginismus) und Orgasmusstörungen (Anorgasmie) bei Frauen. Oft verdecken diese Störungen tieferliegende Beziehungs- oder Eheproblemen.

Persönlichkeits- & Verhaltensstörungen

Weitere komplexe Störungen sind die Persönlichkeitsstörungen und die Verhaltensstörungen. Persönlichkeitsstörungen werden dabei verstanden als stark ausgeprägte und tief verwurzelte Persönlichkeitszüge, die sich v.a. in einem Interaktionsverhalten äußern, das von anderen Menschen oft als anstrengend, schwierig oder problematisch empfunden wird. Eine der bekanntesten, weil schillerndsten, Persönlichkeitsstörungen ist sicherlich das Borderline-Syndrom. Aber auch zwanghafte oder narzißtische Persönlichkeitszüge sind in geringer Ausprägung recht weit verbreitet. Verhaltensstörungen wie Kleptomanie oder sexuelle Abweichungen (z. B. Pädophilie oder Sadismus) dagegen sind in der Realität eher selten, tauchen aber in den Medien wegen ihres hohen Sensationswertes besonders häufig auf.

Entwicklungs­störungen/Kinder- & Jugendstörungen

Schließlich gibt es noch den großen Bereich der Entwicklungsstörungen sowie der Kinder-und Jugendstörungen. Zu den Entwicklungsstörungen gehören beispielsweise die Legasthenie (Lese-Rechtschreibschwäche) und der frühkindliche Autismus. Als Kinder- und Jugendstörungen werden u. a. eingeordnet: Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung, Trennungsangst, Stottern sowie Enuresis (Bettnässen). Diese beiden Störungsgruppen führen in der Forschung und vor allem in der Behandlung gegenüber den Erwachsenenstörungen immer noch ein Schattendasein. Davon wissen all jene Eltern zu berichten, die einmal für ihr Kind eine psychotherapeutische Behandlung suchten. Dieses Problem ist zwar seit einiger Zeit von den psychotherapeutischen Fach- und Berufsverbänden erkannt worden, es konnte jedoch bis heute noch keine ausreichende Abhilfe geschaffen werden.